Schwerverletzter Motorradfahrer: Es ist Samstagnachmittag, draussen scheint die Sonne, ein wunderschöner Sommertag. Im Labor läuft die tägliche Routine bis das Telefon klingelt und ein Notfall angekündigt wird.

"In ca. 10 Minuten wird ein Mann ca. 30jährig mit der Rega nach Motorradunfall eingeliefert. Der Patient ist nicht mehr bei Bewusstsein und wird beatmet. Beckenfraktur, mögliches Schädel-Hirn Trauma und Verdacht auf innere Blutungen. Patient blutet akut, es werden sofort 4 EK (Erythrozytenkonzentrate) und 4 FFP (Fresh frozen plasma) ungetestet benötigt."

Nach diesem Anruf steht die tägliche Routine für einen kurzen Augenblick still. Das Blut für diesen Patienten wird sofort parat gemacht. Da zu diesem Zeitpunkt noch keine Blutprobe von diesem Patienten vorhanden ist, werden EK der Blutgruppe 0 (Universalspender bei Erythrozytenkonzentrate) und FFP der Blutgruppe AB (Universalspender bei Plasmaprodukte) bereitgestellt, ohne die Blutgruppe des Patienten zu kennen. Für die Durchführung der Blutgruppen-bestimmung und des Antikörpersuchtestes ist in diesem Fall nicht genügend Zeit vorhanden, das Risiko, dass der Patient verblutet ist zu gross. Diese Blutprodukte gelten als "Ungetestet".

Kaum mit der Auslieferung fertig, klingelt es schon an der Türe. Eine Pflegerin von der Notfallstation möchte das Blut abholen, der Transport mit der Rohr-postanlage dauert zu lange. Das Blut wird in eine Kühlbox gelegt und die Pflegerin ist auch schon wieder unterwegs.

Weitere Blutkonserven werden benötigt: Diese Bestellung soll aber nicht die letzte für diesen Patienten sein. Zwischenzeitlich ist die Blutprobe des Patienten angekommen und die notwendigen Untersuchungen werden mit höchster Priorität durchgeführt. Doch das Telefon klingelt schon wieder.

"Nochmals 6 EK und 6 FFP ungetestet, sofort." Mit dieser Menge an Blut-produkten wird das Blutvolumen des Patienten mit Fremdblut fast ersetzt sein. Im Kreislauf des Patienten zirkulieren fast nur noch transfundierte rote Blutkörperchen. Der Kreislauf wird medizinisch u.a. noch durch Kochsalz, Volumenexpander und Adrenalin (als Medikament) aufrecht erhalten.

Vom ersten Anruf bis zu diesem Zeitpunkt sind jetzt ungefähr 20 Minuten vergangen und der Patient wird sobald er stabil genug ist in den Operationssaal gebracht um ihn dort weiter zu versorgen. Die Blutgruppe und der Antikörper-status ist nach ca. 40 Minuten (nach Eintreffen der Blutprobe) ebenfalls bekannt und es kann nun blutgruppenidentisch transfundiert werden.

30 EK von 30 Blutspendern: 2 Stunden später sind mittlerweile 30 Erythrozytenkonzentrate, 20 FFP, 2 Thrombozytenkonzentrate transfundiert und zusätzlich verschiedene Gerinnungsfaktoren verabreicht. Der Patient hat überlebt, die grössten Blutungsquellen sind versorgt, aber ohne Fremdblut wäre er verblutet.

Der Blutlagerbestand ist innert kürzester Zeit um fast ein Viertel des Gesamtlagerbestandes dieser Blutgruppe geschrumpft und diese 30 EK (= 30 Blutspender), welcher dieser Patient benötigt hat, entsprechen ca. 50% der täglichen Blutspender.

In unserem akkreditierten Labor wird einerseits das Blut geprüft und andererseits die Blutprodukte für Transfusionen bereitgestellt. Bei einem Unfall muss dies schnellstmöglich passieren, wie der beschriebene Fall aus dem Laboralltag zeigt.


Im Labor wird das Blut geprüft und...
Im Labor wird das Blut geprüft und...
...gemäss Bestellungen bereitgestellt.
...gemäss Bestellungen bereitgestellt.